Kolumne Essen & Gesellschaft / The Big E

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Kapitel 12

THE BIG E …

Guten Job behalten, Steuer rechtzeitig machen, Eigentumsbehausung anschaffen, Klopapier auf Vorrat kaufen: Wer richtig erwachsen sein will, der arbeitet eine To-do-Liste ab. Da hab ich, ganz unerwachsen, was dagegen.
Beim letzten innerfamiliären Stammtisch in der Südsteiermark betonte mein seiner Meinung nach sehr erwachsener Vater, meine Pläne zur gänzlichen Umstrukturierung meines beruflichen Daseins würden an verantwortungslosen Wahnwitz grenzen. Welcher erwachsene Mensch sei denn bitte – in Zeiten wie diesen! – so verrückt, sich mit 40 Jahren und einer „so guten Ausbildung, die wir dir finanziert haben, und von der du heute so gut leben kannst!“ ernsthaft zu überlegen, zukünftig auf einem Bauernhof Ziegen zu melken oder, fast noch schlimmer, auf Kindergartenkinder aufzupassen. Grundkindisch sei das, naiv und verblendet. Erwachsensein sieht, wenn es nach meinem Vater geht, ganz anders aus. Ziemlich genau so, wie meine letzten 20 Jahre. Safety first! Mit zunehmendem Erwachsensein scheint mir das ein wenig zu einfach, denn Erwachsenwerden ist so ziemlich die größte Sache, die sich jemand jemals ausgedacht hat, und diese Sache hat keinen Start- und keine Endpunkt, sie kennt keine Zahlen, Geburtsdaten und amtliche Dokumente. 

Autorin: Stephie Fuchs, Food-Journalistin & freie Autorin

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