Kolumne Klartext / Vom Verlieren und Finden der Albernheit

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Kapitel 6

Vom Verlieren und Finden der Albernheit

Es ist ein vermeintlich gewöhnliches Bild vom Familienausflug zur Alpakafarm, das mein Bruder mir aufs Handy schickt, versehen mit der Nachricht: »Zoom mal ran!« Mehr nicht. Mehr ist auch nicht nötig. Ich vergrößere den Bildausschnitt mit dem Alpaka und reagiere genau so, wie ich weiß, dass mein Bruder dachte, dass ich reagieren würde. Ich reagiere so, wie ich weiß, dass auch er reagiert haben muss, als er sich den Schnappschuss genauer angesehen hat. Wir reagieren, wie wir es eben immer tun. Obwohl wir an verschiedenen Orten sind, treffen wir uns in diesem Moment zu einem gemeinsamen Lachanfall, einem von der Sorte, bei dem die Geräuschmelodie zwischen wildem Wiehern und hyperventilierendem Um-LuftRingen wechselt, einer Melodie, die unter Umständen Glas zerspringen lassen kann. Unsere Gesichtsfarbe changiert bei diesen Lachanfällen zwischen zinnober- und hummerrot, aus den zusammengekniffenen Augen spritzen Tränen und das galoppierende Zwerchfell lässt unsere Körper zucken wie zwei Tarantella-Tänzer. Das alberne Bild des grinsenden Alpakas mit Überbiss und zotteliger Ponyfrisur trifft genau unseren speziellen Humor. Wir lachen grundsätzlich über Dinge, deren humoreske Schwelle für Außenstehende kaum zu erkennen ist. Den süßlichen Geruch eines Kartons zum Beispiel. Das Kindergemälde, bei dem die Augen knapp unterhalb des Haaransatzes kleben. Das neckische Wort Schörlchen in einem knallharten Hollywood-Krimidrama. ….

 

Autorin: Kathrin Waitz, Autorin & Kolumnistin

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