Kirsch-Tomaten Ragout

Von Kindheitserinnerungen im Glas

Von Kindheitserinnerungen im Glas, und der Frage, ob man zum Kochen wirklich etwas Weißes tragen sollte

Das Erstaunliche am Erwachsen werden ist, dass man es nicht bemerkt. Mit der Volljährigkeit kommt der Stolz dazu zu gehören, alles zu dürfen und unabhängig zu sein, doch das Erwachsensein schleicht sich erst danach an, kommt mit den Herausforderungen, die man jeden Tag meistert, und mit den Entscheidungen, die man trifft -und plötzlich wird man von jemandem, an den man sich immer wenden konnte, wenn man nicht weiter wusste, um Rat gefragt.

 

Das Gericht, das dieses Erstaunen für mich am besten trifft, könnte einfacher nicht sein. Ein kleiner Berg frischer Kräuter, eine Hand voll reifer, kleiner Paradeiser, ein bisschen Pasta. Kirschtomatensugo schmeckt für mich nach Sommer und kaum zu bändigendem Hunger nach dem Planschen im See, nach barfuß durch den Garten laufen und nach Kindheit ganz im Allgemeinen. Frei nach dem Motto:

Paradeis-Ragout

“Manchmal sollte man sich lieber Nudeln als Sorgen machen.”

Deshalb habe ich für kleine bis mittlere emotionale Krisen immer ein paar Gläser als Vorrat im Haus. Das Erstaunliche an dieser Tomatensauce wiederum, die ich genauso koche, wie ich es mir über den Rand des Kochtopfs lugend vor vielen Jahren bei meiner Mama abgeschaut habe, ist, dass sie mich eines Tages anrief und mich nach dem Rezept fragte.

 

Folgende Theorie: Meine Variante ist die nostalgische Interpretation meiner Kindheitsküche, und nicht das Originalrezept -was dem ganzen aber keinerlei Abbruch tut.

 

Habt einen nostalgisch schönen September, eure Anna aka Lim

 

Für einen ganzen Topf Glück nehme man:

Das Rezept

 Zubereitungsdauer: ca. 40 Min. 
 für 4 Personen
 Schwierigkeitsgrad: leicht
Zutaten
4 mittelgroße Zwiebeln, geschält und sehr fein gewürfelt
Olivenöl
1 Tl braunen Zucker
2 Ästchen Rosmarin, gewaschen und fein gehackt
2 Ästchen Thymian, gewaschen und abgezupft
1 Tl getrockneter Oregano, gerebelt
2 El Tomatenmark
1 Knoblauchzehe, geschält, entkeimt und fein gerieben
250g reife Kirschtomaten, gewaschen und geviertelt
150 ml trockenen Weißwein, idealerweise der Wein, den ihr auch dazu trinkt
1 Flasche Passata
Salz und Pfeffer
etwas frisch gemahlene Chili
40 Blatt frischer Basilikum
200 g Kirschtomaten an der Rispe
ein paar Spritzer Olivenöl
Meersalz
Pasta der Wahl, für mich am liebsten Linguine
frisch geriebener Parmesan
zerzupfter Büffelmozzarella
ein paar Basilikumblättchen
Spezielles Equipment
Keines
Print Friendly, PDF & Email
Zubereitung

1. Es beginnt, wie es immer beginnt. Es war einmal vor… Moment, falscher Text.

1.1 Die Zwiebeln in Olivenöl bei mittlerer Hitze hellbraun braten, und den Zucker dazu geben. Rosmarin, Thymian, Oregano und Tomatenmark folgen, und dürfen kurz mit anbraten. Das Tomatenmark verliert durch das Anrösten alle Bitterkeit, darf aber nicht zu dunkel werden. Für den Knoblauch gilt das Gleiche, deshalb kommt er erst jetzt hinzu. Die Tomaten in den Topf bugsieren und mit anbraten, bis sie anfangen die Form zu verlieren. Mit dem Wein und der Passata ablöschen, fünfzehn Minuten bei schwacher Hitze mit halb geschlossenem Deckel köcheln lassen, und die fadenscheinige Gelegenheit nutzen, um das Pastawasser aufsetzen und die Nudeln der Wahl al dente zu kochen.

 

2. Derweil die Tomaten an der Rispe mit einer Schere in Dreiergrüppchen aufteilen, mit etwas Olivenöl und Salz in eine Backform werfen und bei 180°C Ober-Unterhitze im Ofen parken, bis sie beginnen aufzuspringen.

 

3. Salz, Pfeffer, Chili und Basilikum in den Tomatentopf geben und die Sauce fein pürieren.

 

4. Die Pasta im Sugo schwenken, nach Lust und Laune Parmesan, Basilikum, Ofentomaten und Büffelmozzarella darauf verteilen.

Tipp

Gegebenenfalls – rein als Vorsichtsmaßnahme – spätestens jetzt weiße Kleidung durch farbige ersetzen. Manches ändert sich eben nie.

Weiterempfehlen:

 

Künstlerin und Köchin

Anna @limsabenteuer

 

Anna, aus unbekannten Gründen Lim genannt, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. lebt und werkt heute auf der verwunschenen Insel Hiddensee Mehr über Anna …


Das könnte Dich auch interessieren …

Keine Kommentare

Kommentar schreiben

Blogheim.at Logo