Wilhelmsburger Hoflieferanten

Wilhelmsburger Hoflieferanten: Die Jahreszeiten am Bauernhof – Sommer (in Kooperation)

Immer dran bleiben. Sich alles ausreden. Zusammen wachsen und die Augenhöhe nicht verlieren. Eine Vision verfolgen, die eigenen Stärken kennen und denen der anderen vertrauen. “Jeder muss das machen können, worin er wirklich gut ist, sonst funktioniert es nicht”, sagt Hannes, Chef und oft auch Gesicht der Wilhelmsburger Hoflieferanten, wenn er über den Familienbetrieb spricht. Denn mittlerweile leben und arbeiten zwölf Familienmitglieder am Mehr-Generationen Bauernhof. Und warum es manchmal trotzdem ordentlich krachen muss, um den Betrieb voran zu bringen, haben wir bei unserem Spätsommer-Besuch heraus gefunden.

 

Am Hof herrscht bereits emsiges Treiben, als meine Fotografin Amélie und ich an diesem Spätsommer-Morgen, unser Auto auf dem Parkplatz der Wilhemsburger Hoflieferanten abstellten. Das Wetter, das leichten Nieselregen versprochen hatte, war vom Wind weg geblasen worden. Riesige Löcher in der Wolkendecke ließen die wärmenden Sonnenstrahlen bis zu uns durch scheinen und begrüßten den Tag.

 

Fast ein Jahr begleite ich Familie Bertl und ihren Hof nun schon und war voller Vorfreude auf ein Wiedersehen. Und wieder einmal musste ich bereits in den ersten Minuten feststellen, wie viel ich noch über das Leben am Bauernhof zu lernen habe. Wie gut, dass Regen- und Stallstiefel in allen Größen vorhanden waren – und ich von nun an weiß, dass Sneakers – so fesch sie auch sein mögen – kein geeignetes Schuhwerk für einen Besuch bei Familie Bertl sind.

Denn Bettina und Hannes begrüßten uns gleich mit zwei ihrer drei Söhne (einer davon nur wenige Wochen alt), um den Tag mit uns auf der Viehweide zu starten. Dort, wo die Kühe den Sommer und Herbst verbringen, im satten Grün, mit viel Auslauf und Ausblick auf Wilhelmsburg. Wobei die Bedeutung von letzterem für den unvergleichlichen Geschmack von Bröseltopfen & Co ungeklärt blieb. Aber wer weiß das schon so genau. Das Wohlergehen der Tiere liegt Hannes besonders am Herzen, das spürten wir schon bei unserem ersten Besuch. Und die Tiere kennen und vertrauen ihm – seinem Ruf folgen sie im Gänsemarsch.

Keine Zeit, uns zu beeilen: Wo der Bröseltopfen seinen Ursprung hat

 

Der Fußweg führt uns und die Tiere zu einer frischen Wasserquelle am Waldesrand. Der kleine Mann immer dabei, zunächst an der Hand, dann auf den Schultern. Ein Sinnbild für die Familie Bertl und ihre Art, den Betrieb zu führen. Gemeinsam, so wie jeder kann. Im Einklang mit der Natur, im Rhythmus der Jahreszeiten, werden hier Milch und Milchprodukte gewonnen, die durch die Zeit, die man ihnen gibt, bestechen.

 

Nicht Quantität, sondern Qualität und Wertschätzung für die Ressourcen, sind tief verankerte Werte, die wir auch dieses Mal in jeder Faser des Betriebes spüren können. Und so bleiben auch noch ein paar Momente, um zu staunen – über die wunderschönen Schatten, die das Geäst und Blätterwerk des Waldes auf dem seidigen Fell der Tiere hinterlässt.

Zurück gekehrt am Hof darf die Jause nicht fehlen. Die Söhne immer mit dabei.

Nach der gemeinsamen Stärkung ziehen auch die ersten Wolken wieder auf. Nichts desto trotz bleibt die Arbeit nicht stehen. Viele Hände sind notwendig, um einen Betrieb wie diesen zu ermöglichen. So ist Papa Bertl Senior bis heute für alle baulichen Maßnahmen am Hof verantwortlich – seine Erfahrung unersetzlich. Erst jetzt wieder war der gesamte Stallungsbereich um- und ausgebaut worden, um den Tieren noch mehr Freiheit und “Wohnraum” für die kalten Monate zu bieten. Seinen Tüfteleien sind auch viele originelle Lösungen am Bauernhof zu verdanken. Zu unserem Besuch, inzwischen im strömenden Regen, wurde beispielsweise erstmals der brandneue “Oma-mat” getestet.

Bis zuletzt war nämlich (Ur-)Oma Bertl dafür zuständig, das Heu, das die Kühe beim Futtern nach vorne schieben, in mühseliger Arbeit mehrmals täglich mit dem Spaten wieder in Reichweite der Mäuler zurück zu bringen. Als ihre Hände müder wurden, kam Bauer Bertl Senior die Idee zum “Oma-mat” – eine mechanische Vorrichtung sollte gebaut werden, die das Heu auf Knopfdruck wieder zurück schiebt. Gedacht, gebaut. Und als wolle das Wetter beipflichten, setzte der Regen ein und der Oma-mat war getauft. Alles klappt reibungslos, stolz nebeneinander Vater und Sohn. Und auch, wenn es in diesen Momenten so einfach und eben reibungslos wirkt, “… ein Familienbetrieb ist auch immer Reibung”, weiß Hannes. “Wir streiten uns und müssen uns immer wieder aufs Neue annähern. Viele Betriebe scheitern daran. Wir wollen daran wachsen – deswegen sind Gewitter, auch die zwischenmenschlichen, unausweichlich. Wichtig ist, den Respekt nicht zu verlieren und immer wieder neu zu justieren.”

 

Ich tat, was ich in solch bedeutenden Momenten meist zu tun pflege. Ich schaue bedeutend zu. Und halte immerhin das jüngste Mitglied der Familie in meinen Armen.

Seinen Aufgaben und Rollen gerecht zu werden und seine Stärken einbringen zu dürfen, scheint das Familienrezept von Familie Bertl zu sein. Und vielleicht auch ein kleines Geheimrezept. Die Tochter, gelernte Köchin, die das über 30 Menschen starke Team täglich mit frischem, selbst gekochtem Essen versorgt und den Hofladen betreibt. Der Sohn, dem das Tierwohl (fast) über alles geht und täglich mit seinem Werken den Boden für die nächste Generation ebnet. Die Eltern, die den Hof im wahrsten Sinne am Laufen halten, sei es durch bauliches Wissen oder großmütterliches Know How. Die neuen Familienmitglieder, die dazu kamen und ihren Platz in Büro und Betrieb finden müssen und wollen. Und die nächste Generation, die wie selbstverständlich Teil des Treibens am Bauernhof der Familie Bertl von den Wilhelmsburger Hoflieferanten ist und vielleicht – wie wollen es hoffen – eines Tages die Entscheidung treffen, ihre ganz eigenen Stärken einzubringen. Und uns so einzigartige, traditionelle Bauern-Produkte wie der Bröseltopfen erhalten bleiben.

 

Die Zeit wird es zeigen.

 

(*Alle Fotos dieses Beitrages sind in wunderbarer Zusammenarbeit mit der Fotografin Amélie Chapalain entstanden.)

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